Aufruf zu dezentralen Aktionen

Wir wollen über einen längeren Zeitraum ein deutliches Zeichen gegen Studentenverbindungen hier in Tübingen setzen. Deshalb rufen wir zu dezentralen Aktionen unabhängig von der Kundgebung gegen das Bürgerfrühschoppen und dem verbindungskritischen Vortrag auf.

Lasst eurer Kreativität freien Lauf und zeigt auf eure Art und Weise, was ihr von Deutschtümmelei, Sexismus und dem ganzen anderen Scheiß der Verbindungen haltet!

Verbindungen auflösen!

Verbindungskritischer Text

Schon wieder Verbindungskritik? Ja! Unserer Meinung nach ist es höchste Zeit ein breites Bewusstsein für die Kritik an studentischen Verbindungen zu schaffen. Gerade hier in Tübingen können Korporierte ungestört sexistische Werbung für ihre Partys machen, Nachwuchs über ihr Angebot von günstigem Wohnraum rekrutieren und durch Vorträge und andere Veranstaltungen ihr patriarchales, elitäres und reaktionäres Weltbild festigen.
Deshalb kommt am Sonntag, den 18. Mai, um 10.00 Uhr auf den Tübinger Holzmarkt zur Kundgebung gegen den Bürgerfrühschoppen und am 27.05.14 zum Vortrag mit dem ehemaligen Verbindungsstudenten Dr. Stephan Peters, in welchem den Fragen nachgegangen wird, wie und für welche Gesellschaft Studentenverbindungen ihre Mitglieder sozialisieren.
Vorab findet ihr hier unsere Kritik an Studentenverbindungen, in der wir uns bemüht haben komprimiert aber genau und verständlich auf die vielseitigen Kritikpunkte einzugehen.
Für weitere Infos zu unserer Kritik und Näheres zu den Veranstaltungen schaut doch mal auf unseren Blog: verbindungenaufloesen.blogsport.de

*[ART]* – Antifa Reutlingen Tübingen
antifatuert.blogsport.de
antifatuert(a)riseup.net
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Was sind eigentlich Studentenverbindungen?

Den allermeisten Studierenden werden Studentenverbindungen vermutlich vor allem wegen ihren ausschweifenden Parties, ihren Villen in bester Lage und den etwas altmodisch anmutenden Mützen und Bändern bekannt sein. Ein paar von ihnen fallen in der Presse immer mal wieder durch ihre Verstrickungen in der extremem Rechten auf. Doch was steckt hinter den trinkfreudigen Männerzirkeln, die mit billigem Wohnraum werben? Nicht nur die deutschnationalen, stramm rechten Burschenschaften sollten kritisiert werden. Eine umfassende Kritik am Verbindungswesen schließt noch weitere Kritikpunkte mit ein. Ein Überblick über Mythen, Fakten und selbst erschaffene Wahrheiten der Mützenträger.

Billiger Wohnraum für alle? Nein, den gibt es nur für männliche Studenten, teilweise sogar nur für katholische, ehemalige Wehrdienstleistende oder vermeintlich echte Deutsche. Frauen, Anhänger anderer Konfessionen, Menschen mit Migrationshintergrund, Atheisten… bleiben meist außen vor. So bleibt z.B. jedes Semester in Tübingen für Frauen aufgrund ihres Geschlechts der Zugang zu schätzungsweise über 110 Zimmern versperrt.

Hort der Demokratie? Nein, denn strikte Hierarchien und eine scheinbar natürliche Hackordnung sind die Regel. Jeder Verbindungsstudent hat während seiner Zeit als „Fux“ (= Neueinsteiger) nur eingeschränkte Rechte, ist an Weisungen ranghöherer Personen, wie zum Beispiel den „Aktivas“ gebunden und hat eine Reihe von Pflichten zu erfüllen, die ihm auferlegt werden. Durch diese „pädagogischen“ Maßnahmen und der daraus folgenden Durchhierarchisierung folgt die Eingliederung in ein scheinbar natürliches System von Befehl und Gehorsam. Selbst der angeblich basisdemokratische „Convent“, eine Art Mitgliederversammlung, stellt sich bei genauerer Betrachtung als Farce heraus. Beschlüssen muss sich jedes Mitglied bedingungslos unterwerfen. Auch von gleichem Stimmrecht (das gibt es nur für „Aktivas“) kann keine Rede sein.
Ohne Makel ist weder die vermeintliche Geburt der deutschen Demokratie während des Wartburgfestes 1817 noch sind es die daran beteiligten Studentenverbindungen. Im Rahmen des Festes kam es z.B. zur ersten öffentlichen Bücherverbrennung von „undeutschen“ Werken durch Korporierte (= Verbindungsstudenten). Auch in Tübingen fielen sie schon früh durch undemokratisches Handeln auf. 1847 beteiligten sich Verbindungsstudenten daran einen Hungeraufstand in Tübingen, den sogenannten „Tübinger Brotkrawall“ niederzuschießen.

Fortschrittliche Gesinnung? Nein, Korporationen entschlossen sich bewusst gegen die Aufnahme von Frauen, als diese 1900 zur Hochschulbildung zugelassen wurden. Dies hat sich bis heute gehalten. Korporationen festigen damit ein patriarchales Weltbild. Dessen Basis ist eine biologistische Argumentation, d.h. Frauen und Männern werden bestimmte Eigenschaften als natürlich zugeordnet. Die Mensur, das ritualisierte studentische Fechten mit scharfen Waffen, sowie andere Regeln dienen der Erziehung zu Härte, Ausdauer, Disziplin und Unterordnung. So soll durch das Erlernen von Selbstbeherrschung und Mut der „Verweichlichung“ von jungen Männern vorgebeugt werden. Frauen sind da allenfalls schmückendes Beiwerk. Die Struktur der Verbindungen dient der Reproduktion eines Geschlechterverhältnisses, bei dem Frauen in der öffentlichen und politischen Sphäre nichts verloren haben. Frauen sind, wie auch Gäste, nur zu nicht verbindungsinternen, entscheidungsirrelevanten Veranstaltungen geladen und dürfen auf diesen gesellschaftlichen Veranstaltungen als sogenannte Couleurdamen zur Zier erscheinen. Die Behauptung der Burschenschaft Germania Tübingen, Frauen dürfen nicht Mitglied werden um Beziehungskonflikte zu vermeiden, ist vorgeschoben. Zum einen können Männer sich auch in Männer verlieben und zum anderen kann es neben Beziehungsproblemen noch zahlreiche andere zwischenmenschliche Konflikte geben, zum Beispiel zwischen Stuttgarter und Karlsruher Fußballfans, weshalb aber Karlsruher Fans noch lange nicht aus einer Verbindung ausgeschlossen werden.
Korporationen stehen jeglichen Kämpfen für die Emanzipation von Frauen entgegen und zementieren Geschlechterrollen, die den Anfängen des 20. Jahrhunderts entspringen. Vor allem für die Unterrepräsentation von Frauen in führenden gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Positionen sind sie maßgeblich mitverantwortlich.

Widerstand während des Nationalsozialismus?
Nein, Studentenverbindungen waren in rechtsradikalen Freikorps (= paramilitärische Einheiten) organisiert, welche von ihnen teilweise bis heute verherrlicht werden. Auch kooperierten sie schon früh mit den Nationalsozialisten (vor allem im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund) bei der Machtübernahme an den Universitäten. Somit waren sie aktiv an der „nationalen Revolution“ und damit der Zerschlagung der Weimarer Republik beteiligt. Dies zeigt sich auch in der Tübinger Verbindungsgeschichte. Der verurteilte Kriegsverbrecher Konstantin von Neurath (SS Mitglied, deutscher Außenminister von 1932 – 1938 und Reichsprotektor in Böhmen und Mären von 1939 – 1941) war beispielsweise Mitglied beim Tübinger Corps Suevia.
Wo diese Geschichte nicht mehr verschwiegen wird oder werden kann, wird sie massiv verfälscht und verdreht. Dann wird aus aktiver Beteiligung Abstand, aus einer gewissen Ferne Protest und aus Dissens Widerstand gemacht.

Deutlich gegen jeden „Extremismus“?
Nein, die fehlende Distanz zum rechtskonservativen bis extrem rechten Teil der Studentenverbindungen zeigt sich durch anlassbezogene Zusammenarbeitet auf regionaler Ebene (bei Besuchen, bei Veranstaltungen) oder durch institutionelle Kooperation (in örtlichen „Waffenringen“ und Arbeitskreisen oder durch einzelne so genannte „Freundschaftsverhältnisse“). Auch auf Bundesebene gibt es diese anlassbezogene (z.B. beim Besuch des Wiener Korporations-Ball) oder institutionelle (z.B. in den Meta-Dachverbänden „Convent Deutscher Korporationsverbände“ und „Convent Deutscher Akademischer Verbände“) Zusammenarbeit.
Beispielsweise besuchte die Tübinger Landsmannschaft Schottland ausweislich ihres Semesterprogramms bereits den angesprochen Wiener Korporations-Ball, bei dem Größen wie der FPÖ Chef Heinz-Christian Strache, Marine Le Pen vom Front National oder Vertreter der belgischen Rechtspopulisten des Vlaams Belang anwesend waren. Auch im Arbeitskreis Tübinger Verbindungen scheut man sich nicht mit ultrarechten Burschenschaften wie der Straßburger Burschenschaft Arminia zusammen zu arbeiten.

Gegen den alljährlichen Bürgerfrühschoppen – Verbindungen auflösen!

Verbindungen und Verbindungsstudenten gehören inzwischen wie selbstverständlich zum Tübinger Stadtbild. Völlig ungestört können die Korporierten neue Mitglieder werben und Selbstdarstellung im öffentlichen Raum betreiben. Sei es nun durch die häufig sexistischen Flyer für ihre Partys, Zimmeranzeigen für günstigen Wohnraum, Führungen durch die Verbindungshäuser am Österberg, ihr uniformiertes Auftreten bei manchen Uni-Veranstaltungen oder ihre Infostände beim Dies Universitates.

Unserer Meinung nach muss damit endlich Schluss sein und wieder ein breites Bewusstsein für die Kritik an studentischen Verbindungen geschaffen werden!

In Studentenverbindungen finden sich in zugespitzter Form die in der Gesellschaft verankerten Diskriminierungsformen wie der Elitegedanke, Nationalismus und Sexismus wieder. Zusätzlich setzen sie sich aktiv dafür ein solche Strukturen zu erhalten.

Wir wollen ihnen nicht weiterhin die Möglichkeit geben ihr elitäres, patriarchales, konservatives und veraltetes Weltbild zu festigen und zu verbreiten!

Warum nun also gegen den Bürgerfrühschoppen?
Nach jahrelangen Gegenprotesten mussten die Tübinger Studentenverbindungen ihr traditionelles Maieinsingen in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai aus ihrem Terminkalender streichen. Stattdessen findet nun seit 2009 der so genannte Bürgerschoppen statt. Damit wurde die an üble Zeiten erinnernde Ästhetik von uniformierten Fackelträgern gegen ein scheinbar harmloseres öffentliches Event bei Sonnenschein ausgetauscht. Boris Palmer, der grüne Oberbürgermeister von Tübingen und Vertreter der Universität traten dabei bereits mehrfach als Redner in Erscheinung. Damit gelingt es den Studentenverbindungen einmal mehr ein scheinbar harmloses Bild von sich selbst zu inszenieren und eine Akzeptanz in der so genannten Mitte der Gesellschaft zu erlangen.
Dem wollen wir nicht weiter tatenlos zusehen und eine Kritik entgegensetzen!

Deshalb kommt alle am Sonntag, den 18. Mai, um 10.00 Uhr auf den Tübinger Holzmarkt zur Kundgebung gegen das Anbiedern an die reaktionären Seilschaften.
Lasst uns ein deutliches Zeichen gegen studentische Verbindungen setzen!

Studentenverbindungen auflösen, jetzt sofort!
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Verbindungen auflösen

In einer alten Student*innenstadt wie Tübingen fallen Studentenverbindungen im Stadtbild immer wieder auf. Ob es ihre Villen in bester Lage, ihre Zimmerangebote auf Internetseiten zur WG-Suche, ihr uniformiertes Auftreten bei manchen Univeranstaltungen oder die häufig sexistischen Flyer für ihre Partys sind, Studentenverbindungen nutzen den öffentlichen Raum für Selbstdarstellung und Mitgliederwerbung. Der jährlich stattfindende Bürgerfrühschoppen, bei dem der grüne Oberbürgermeister Palmer schon mehrmals ein Grußwort sprach, ist Ausdruck der großen Akzeptanz, welche Studentenverbindungen in Tübingen inzwischen entgegengebracht wird. Leider gibt es aktuell wenig Bewusstsein für diese Thematik, weshalb auch kaum jemand an der Präsenz konservativer Seilschaften Anstoß nimmt.
Verbindungsstudenten können ungestört und unhinterfragt neue Mitglieder werben, ihre Seilschaften weiter ausbauen und sexistische Parties feiern.

Die Analyse des Verbindungswesens, die Kritik an diesem und das Formulieren konkreter Handlungsmöglichkeiten ist gerade in einer studentisch geprägten Stadt wie Tübingen, aber auch an anderen Orten eine wichtige Aufgabe antifaschistisch denkender Menschen. Denn Studentenverbindungen schließen aus und diskriminieren. Sie tragen dazu bei die patriarchalen und elitären Strukturen unsere Gesellschaft zu festigen und überholte Werte und Normen wie Hierarchie, Heteronormativität(1) und Zweigeschlechtlichkeit oder Nationalismus zu verbreiten.
Dies steht im Widerspruch zu unserer Vorstellung von einer befreiten Gesellschaft in der es soziale Gleichheit für alle Menschen geben soll, völlig unabhängig von ihrem Geschlecht oder ihrer Herkunft.

Deshalb möchten wir mit unserer Veranstaltungsreihe die Kritik an Studentenverbindungen zurück ins Bewusstsein und in den Diskurs holen, damit Verbindungsstudenten hier in Tübingen nicht weiter unbehelligt ihre Männerbündelei und ihre konservativen Seilschaften betreiben können!

Studentenverbindungen auflösen, jetzt sofort!

(1) Heteronormativität beschreibt ein Weltbild, in dem Heterosexualität als soziale Norm gesetzt wird und in welchem es nur die zwei Geschlechterrollen Frau und Mann gibt, welchen wiederum bestimmte unumstößliche Eigenschaften zugeordnet werden
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